Kreis Herford/Bad Oeynhausen/Berlin. „Ich glaube, ich lehne mich nicht aus dem Fenster, wenn ich sage, dass 2025 ein mehr als turbulentes Jahr war.“ Mit diesen Worten zieht der Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze eine persönliche und politische Bilanz des vergangenen Jahres. Die vorgezogene Bundestagswahl im Februar 2025, internationale Krisen, sicherheitspolitische Debatten und gesellschaftliche Spannungen haben das Jahr geprägt – ebenso wie viele Gespräche und Termine im Wahlkreis Kreis Herford und Bad Oeynhausen.
Für Schwartze war die Bundestagswahl ein Einschnitt: Er zog erstmals seit 2009 nicht direkt über den Wahlkreis, sondern über die SPD-Landesliste erneut in den Bundestag ein. „Das war entscheidend und etwas, das man nicht wegdiskutieren darf.“ Wahlergebnis ernst nehmen – ohne Ausreden Schwartze macht deutlich, dass er die Stimmverluste nicht relativiert. „Wenn Menschen uns weniger Vertrauen schenken, dann müssen wir uns fragen, warum. Nicht defensiv, sondern ehrlich.“ Gerade das Gefühl politischer Distanz habe zugenommen – auch bei jüngeren Menschen. „Manche erreiche ich schlicht nicht mehr so, wie ich es mir wünsche. Das ist Realität.“ Diese Fragen hätten ihn und sein Team früh im Jahr intensiv
beschäftigt. „Wir haben gemerkt: So wie bisher reicht es nicht.“
Ausblick 2026: Mehr Nähe, mehr Transparenz
Für 2026 kündigt Schwartze deswegen neue Wege im Austausch an. „Ich will besser erklären, was ich in Berlin mache, wofür ich stehe und wie man mich erreicht.“ Geplant sind neue Gesprächsformate sowie Vor-Ort-Veranstaltungen. „Genauere Informationen dazu wird es in naher Zukunft geben”, so Schwartze.
Bundespolitik: Verantwortung in schwierigen Zeiten
Blickt Schwartze auf 2025 zurück, dann sind ihm einige Ereignisse besonders in Erinnerung geblieben. Nach der Wahl standen in Berlin zügig Koalitionsverhandlungen mit der CDU an. Schwartze sagt dazu: „Angesichts einer erstarkten AfD ist ein stabiles Regierungsbündnis wichtiger denn je.“ Er betont: „Politik besteht nicht aus perfekten Lösungen, sondern aus tragfähigen
Kompromissen. Demokratie funktioniert genau so – auch wenn das manchmal
unbequem ist.“
Positiv hebt für 2025 Schwartze das beschlossene Investitionspaket hervor. „Wir müssen in diesem Land wieder handlungsfähig werden – bei Infrastruktur, Bildung, Wirtschaft. Das geht nicht ohne Geld. Ich bin überzeugt, dass wir die Wirkung dieser Entscheidungen noch spüren werden.“
Wehrdienst, Sicherheit und ehrliche Debatten
Die Reform des Wehrdienstes sei eines der sensibelsten Themen des Jahres gewesen. „Niemand erklärt jungen Menschen leicht, warum sie nach Jahrzehnten wieder erfasst und gemustert werden sollen.“ Gleichzeitig verweist Schwartze auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. „Vorbereitung ist kein Alarmismus, sondern Verantwortung. Wichtig bleibt: Der Wehrdienst ist freiwillig.“ Er betont zudem, dass Sicherheitsfragen nicht nur junge Generationen betreffen. „Diese Debatte darf nicht einseitig geführt werden.“
Sicherheit vor Ort: Keine einfachen Antworten
Mit Blick auf die Sicherheitslage in Ostwestfalen-Lippe spricht Schwartze beispielhaft auch die Berichte zu Messerangriffen in der Region an. „Das beunruhigt viele Menschen – zu Recht.“ Pauschale Schuldzuweisungen oder ausgrenzende Parolen lehnt er aber ab. „Solche Antworten lösen kein einziges Problem.“ Stattdessen brauche es einen handlungsfähigen Rechtsstaat, Prävention und
Unterstützung - gerade auch für junge Menschen.
Gesundheitspolitik: Verantwortung mit direktem Bezug
Ein persönlicher Höhepunkt 2025 war Schwartzes erneute Berufung zum Patientenbeauftragten der Bundesregierung. „Dass ich dieses Amt weiter ausüben darf – und das auch in einem CDU-geführten Ministerium – ist alles andere als selbstverständlich.“ Die Arbeit sei für ihn längst mehr als ein politisches Aufgabenfeld. „Gesundheitspolitik ist für mich eine Herzensangelegenheit.“ Seine Schwerpunkte als Patientenbeauftragter sind dabei vor allem Patientenrechten und die Stiftung Unabhängige Patientenberatung. Als Abgeordneter setzt er sich darüber hinaus vor allem für mentale Gesundheit, gesundheitlicher Verbraucherschutz, das Thema Organspende und seltene Erkrankungen ein.
Wahlkreis: Zuhören bleibt der Kern
Trotz der intensiven Bundespolitik bleibt der Kontakt zu den Menschen im Wahlkreis aber zentral. Viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Initiativen im Kreis Herford und in Bad Oeynhausen hätten ihn auch 2025 nachhaltig geprägt. Ein Beispiel, das ihn besonders bewegt habe, sei das Gespräch mit Lukas, einem Arminia-Fan im Rollstuhl, gewesen. „Solche Begegnungen holen Politik aus jeder Theorie zurück in die Realität.“
Stark involviert war er auch wieder in das Geschehen rund um die Bahn-Petition zur möglichen Neubaustrecke Bielefeld-Hannover. Beeindruckt hat ihn, dass bei zahlreichen Veranstaltungen, Kampagnen im Internet und Gespächen mit Anwohner*innen fast 40.000 Unterschriften gesammelt wurden. In Erinnerung sind ihm aber vor allem auch die vielen, kleineren Termine und Gespräche mit Menschen aus dem Wahlkreis, Vereinen und Gruppen geblieben. „Jedes Gespräch, jede Diskussion und jedes Problem, das von Bürger*innen direkt an mich herangetragen wird, hilft mir dabei, den Fokus auf das Wesentliche in Berlin nicht aus den Augen zu verlieren.”
Schwartzes Fazit
„2025 war kein Jahr zum Schönreden. Aber eines, aus dem man lernen kann. Mein Anspruch bleibt: zuhören, erklären, handeln, 2026 aber auch auf neuen Wegen – für die Menschen im Kreis Herford, in Bad Oeynhausen und darüber hinaus.“