Berlin/Kreis Herford. Es ist schon nach 21 Uhr am vergangenen Dienstag im Bundestag in Berlin, als knapp 100 Schüler*innen der Regenbogen-Gesamtschule Spenge den SPD-Bundestagsabgeordneten Stefan Schwartze mit Fragen löchern. Wie stehen Sie zu einem Wehrdienst? Haben Sie eigentlich auch mal Freizeit? Wieso tun Sie nicht mehr gegen den Klimawandel? Diese und noch viele weitere Fragen hatte die Schülergruppe im Gepäck. Doch nicht nur sie: In der vergangenen Woche empfing der heimische Bundestagsabgeordnete Schwartze gleich drei Schulgruppen aus dem Kreis Herford im Deutschen Bundestag.
Neben den Schüler*innen Regenbogen-Gesamtschule Spenge - begleitet wurden sie von Lehrer Julian Dietrich sowie seinen Kolleginnen Berse Sevda, Heike Dreyer, Irina Dyck, Ina Eliaß, Lisa-Marie Engelker, Marcus Gottwald, Jessica Höhna und Niklas Schröder Diederichs – besuchten den Abgeordneten in der Woche auch die Goethe-Realschule Löhne und die Olof-Palme-Gesamtschule Hiddenhausen. Die Goethe-Realschule Löhne folgte am Mittwochvormittag mit über 50 Schülerinnen der 10. Klassen begleitet von den Lehrkräften Lukas Wilke, Simon Siebods, Cassandra Hillgruber und Bettina Tausch. Den Abschluss bildete am Freitag eine buntgemischte Projektgruppe der Olof-Palme-Gesamtschule Hiddenhausen mit 23 Schülerinnen der 8. und 9. Klasse, die sich besonders für politische Themen interessieren. Unterwegs waren sie mit den Lehrkräften Stefan Büscher und Svenja Hoveling sowie Schulsozialarbeiterin Maren Arndt.


Von der Kuppel bis zum Plenarsaal
Jede Gruppe erlebte ein individuelles Programm: Je nach Tagesablauf verfolgten die Schüler*innen eine Plenardebatte oder besichtigten den Plenarsaal. Die Besichtigung des Reichstagsgebäudes und der berühmten Kuppel stand ebenso auf dem Plan wie ein gemeinsames Mittagessen in einem der Bundestagsrestaurants. Abgerundet wurde das persönliche Gespräch mit Stefan Schwartze.
„Es ist natürlich erstens nicht leicht, mit mir irgendwo hinzugehen“
Die Schüler*innen nutzten die Gelegenheit nicht nur für einen Einblick in den Arbeitsalltag des Abgeordneten, sondern stellten auch persönliche Fragen. Besonders interessierte sie, wie Schwartze seinen anstrengenden Berufsalltag mit seinem Privatleben vereinbart. Seine ehrliche Antwort: „Es ist natürlich erstens nicht leicht, mit mir irgendwo hinzugehen. Gerade auf öffentlichen Veranstaltungen. Wenn da jemand auf mich zukommt, dann muss ich mir die Zeit nehmen. Aber ich habe einen tollen Freundeskreis, der all die Jahre, die ich jetzt schon Abgeordneter bin, geblieben sind. Das ist wie ein sicherer Hafen für mich.“
Doch schnell kamen auch die Themen auf den Tisch, die den jungen Menschen besonders am Herzen lagen. Ein zentrale Anliegen waren unter anderem Wehrdienst und Migration. Die Frage, ob Schüler*innen Angst vor Rückführungen haben müssten, führte zu einer klaren Antwort: Länder wie zum Beispiel Syrien seien auch nach dem Fall des Regimes alles andere als sicher. „Ich sehe es aktuell nicht, dass Menschen wieder sicher dorthin zurückkehren können”, so Schwartze. „Ohne Migrant*innen wären wir darüber hinaus in ganz vielen gesellschaftlichen Bereichen aufgeschmissen, weil dort vor allem Fachkräfte aus dem Ausland arbeiten. Vorallem in der Pflege oder in Krankenhäusern.“ Eine Position, die Schwartze als Experte für Gesundheits- und Sozialpolitik immer wieder betont.


Ebenfalls intensiv diskutiert wurde die aktuelle sicherheitspolitische Lage. Zum Thema Wehrdienst und Bundeswehr betonte Schwartze: „Ich wünschte, wir müssten über all das nicht sprechen und es bestünde keine Notwendigkeit, die Bundeswehr personell und auch ausrüstungstechnisch zu stärken. Aktuell ist aber leider das Gegenteil der Fall und es wäre fahrlässig nicht darauf zu reagieren. Doch diese Last dürfen nicht nur auf den Schultern der Jüngeren abgeladen werden. Eine Wehrpflicht ab einem bestimmten Jahrgang lehne ich zum Beispiel ab.“
Auch der aktuelle Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt wurde thematisiert und natürlich die Themen Schule und Bildung. Darüber hinaus war eine Frage, die alle drei Gruppen bewegte, was sich Schwartze wünschen würde, wenn er eine Sache sofort ändern könnte. Seine Antwort war klar und aktuell: „Es gibt so einiges, doch aktuell wünsche ich mir mit Blick auf die Ukraine und die Aggressionen Russlands vor allem Frieden.“
Am Ende gab Schwartze den Schüler*innen noch ein Angebot mit auf den Weg: „Ihr könnt euch jederzeit mit Fragen und auch Kritik an mich wenden. Mir ist es wichtig, dass junge Menschen aus dem Kreis Herford wissen, dass ich mich als Bundestagsabgeordneter auch für sie auf Bundesebene einsetze.”

